Chaoskaddy

Wo ich bin herrscht Chaos

„Seien Sie doch froh …!“

In einer Gesellschaft, in der vieles in Konkurenz gesetzt und das Gegeneinander höher gestellt wird, als das Miteinander, ist das eine schwere Handlung … für mich. Ich weiß nicht, wie oft ich versucht habe, zu zählen, wie oft ich mich mit anderen vergleiche. So oft brach ich es bereits auf der Fahrt ins Büro ab. Genau so oft merke ich allerdings auch, dass ich mich wie von einem anderen Planeten fühle, wenn ich Einstellungen, Werte und Normen mit anderen Menschen vergleiche.

Zum Beispiel dieser eine Morgen, als sich ein Mann a) ungefragt zu mir in den 4er Sitz setzen wollte, b) es eine Frechheit fand, dass ich ihn bat, etwas Abstand zu halten und c) mich dann hysterisch nannte, als er beim Ausstieg auf einen Arbeitskollegen traf, der wohl die Situation entspannt aus der 1. Klasse beobachtet hatte.

Es war nicht das erste Mal und wird wohl auch nicht das letzte Mal sein, dass es ein scheinbar verheirateter Mann mittleren Alters versuchte, sich zu einer Frau zu setzen, obwohl um uns herum andere 4er Sitze auch mit nur einer Person besetzt war. Doch auf den anderen Plätzen waren es ebenso Männer, Männer mittleren Alters. Männer, die genau wie ich ihre Gegenstände auf den übrigen Sitzen verteilten. Männer, die ebenso wie ich nicht wollten, dass andere, fremde Menschen sich nicht zu ihnen setzen, wenn im weiteren Verlauf des Zuges noch genügend Sitzplätze frei waren.

Doch es ließ mich eine Frau an meinen Einstellungen, Werte und Normen zweifeln. Ich ließ zu, dass eine Frau die Ursache war, dass ich mich wieder mit anderen verglich. Sie saß während der Fahrt 2 Reihen hinter mir und kam beim Ausstieg nah an mich rann und sagte: „Seien Sie doch froh, dass sich ein Mann zu Ihnen setzen will und Sie nicht als Bedrohnung ansieht. Stellen Sie sich nicht so an.“ Mir blieb die Spucke weg. Wie soll ich DAS bitte verstehen? Soll ich demnächst noch den Roten Teppich ausrollen, wenn ein Mensch zu nah an mich rankommt? Soll ich etwa dankbar sein, dass er meine Gesundheit und mein Leben potenziell in Gefahr bringt, weil er einfach nicht die 1,5 bis 2 Meter Abstand einhalten will? Muss ich noch Kaffee und Schnittchen oder Kekse servieren?

In diesem Moment wünschte ich mir ein Handtuch herbei, hätte meine neue Arbeitstasche am liebsten zur Seite gestellt und den Daumen in die Luft gehalten in der Hoffnung, ich werde auf meinen Heimatplaneten zurück geholt.

Habt ihr auch Probleme dieser Art? Rastet ihr auch, egal ob innerlich oder äußerlich so aus? Triggert euch der Satz „Hab Dich nicht so!“ auch so sehr? Welches Mantra nutzt ihr, um in diesen Situationen nicht alles kurz und klein zu schlagen?

Categories: RL

dasKaddy
Thronsitzerin von Flauchistan & Chaoscastle ? Besitzerin der #Einhornarmee ? #pansexuell ? #notjustsad ? #Strebärin ? Ex-Nichtraucherin ? #fürdieAllianz Twitter


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