Chaoskaddy

Wo ich bin herrscht Chaos

Zwischen Plüsch und Panzerstahl – Kapitel 1


Habe ich alles? Trinken für die Nacht? Check! Zähne geputzt? Check! Kissen aufgeplustert? Doppelcheck! Es war den ganzen Tag schon wie verhext. Ständig schwamm alles vor meinen Augen und der Kopfschmerz wurde auch nicht besser. Doch dieses Mal lag es nicht am Kaffee. Dazu habe ich immer zwei Gläser Wasser getrunken. Aber nun keine Ablenkung mehr, ab in den flauschigen Schlafanzug und unter die Decke. Dass die Bettdecke auch als Erwachsene nicht den Schutz verliert, ist eine Faszination, die ich immer wieder spüre.Nun aber Augen zu und … Ist der Ofen aus? Kopf ey! Ich hatte den Herd heute nicht an. Ich will schlafen! Es dauerte dann auch nur noch gefühlte 100 Mal hin und her drehen, bis mich der Schlaf endlich übermannte.


„Nein Sir, ich kann mir diese Situation auch nicht erklären!“ riss mich eine mir unbekannte, aber gar nicht unangenehme Stimme aus dem Schlaf. „Computer, Sleeptimer auf 15 Minuten“, murmelte ich und wollte nach meiner Decke greifen. Und wieso zur Hölle ist mein Bett so hart. „Es fühlt sich an, als würde ich auf dem Boden liegen!“ murmel ich im Halbschlaf, noch immer nach meiner Decke tastend. „Das ist korrekt Maam.“ Wieder diese unbekannte Stimme. Ich drehe mich auf den Rücken, meine Augen öffnend und erwarte, die Uhrzeit meines Echo Dots auf dem Kopf zu sehen. Doch ich schaue in die Mündung einer Pistole. Ich kneife die Augen direkt wieder zu, reibe sie mir und öffne sie wieder. Die Mündung ist weiterhin vorhanden. „Schätzchen, die verschwindet nicht, nur weil Du das willst“, höre ich eine zynische weibliche Stimme. Ich riskiere es und schaue am Lauf entlang und sehe direkt in zwei grüne Augen. Und sie blitzen mich an. Ich ziehe es vor, wieder in die Mündung zu schauen. Es ist zu lange ruhig, ich höre mein Herz in meinen Ohren schlagen und versuche eine aufkommende Panikattacke weg zu atmen. „Sir? Der Puls der Person steigt rasant an und auch der Atem wird schneller. Ich empfehle, die Situation etwas aufzulockern.“ „Was soll ich machen, einen Witz erzählen?“ Eine dritte Stimme. Ich wage es meine Augen in die Richtung der Stimme zu bewegen und sehe einen Mann in einem Nadelstreifenanzug, keine Falte. Er sieht wie aus dem Ei gepellt aus und ich muss grinsen. Er wirkt wie ein Staubsaugervertreter. Aufgrund des ernsten Blickes verkneife ich mir jeglichen Kommentar. Ich lasse den Kopf wieder auf meinen Unterlage fallen und schließe wieder meine Augen. DAS ist bis jetzt einer der surrealsten Träume, die mein Kopf mir ausspuckt. „Okay,“ sagt der Staubsaugervertreter. „Der Boden ist sicher nicht bequem. Würden Sie vielleicht aufstehen und uns Ihren Namen verraten?“ Ich öffne wieder die Augen und schaue in die Mündung. „Ach und Nat? Pack die Waffe weg. Ich glaube nicht, dass unter dem Schlafanzug irgendwelche Waffen stecken.“ Ich setze mich auf und werde knallrot. Ja, stimmt, es musste ja der flauschige knallrote Anzug mit pinken Herzchen sein, gestern Abend. War es wirklich gestern Abend? Und wo war ich hier überhaupt? Ich schaute mir die zwei Personen an, beide in perfektem Outfits steckend. Ich fuhr mir durch die Haare, ein hilfloser Versuch sie mir zu richten. Ich räusper mich und schaue auf meine nackten Füße. „Also mein Name ist Kaddy Chaos und ich komme aus …“ Mit einem Räuspern versuche ich meine Wissenslücke zu überbrücken. Komm schon Kopf, lass mich nicht im Stich, denke ich, ich habe keinen Personalausweis mit, auf dem ich schauen kann. „Ich weiß es nicht! Ich kenne meinen Namen und dann ist da Leere.“ Unsicher kicher ich. „Na immerhin haben wir schon einen Namen,“ grinst der Staubsaugervertreter. „Mein Name ist Tony, und das ist Nat.“ „Natascha!“ zischt sie. Oh, denke ich, Nat dürfen wohl nur Freunde sagen. „Jarvis? Sagen Sie bitte Dr. Banner Bescheid, dass jemand auf dem Weg zu ihm ist, er möge sich unseren Gast doch einmal anschauen.“ Aus dem Nichts kommt diese Stimme: „Jawohl Sir.“ „Nat? Bring unsere Frau Chaos doch bitte zu Bruce.“ Widerwillig hilft Natascha mir auf und zeigt in eine Richtung des Flures, in die sie dann auch geht. Ich höre sie zischen: „Nun nehmen wir also schon Streuner auf.“ Ich bin froh, dass ihre Schuhe das typische Geräusch von hohen Schuhen auf dem Boden machen, so hört man das Klatschen meiner nackten Füße nicht so sehr.


Nach unzähligen Türen, die sich wie von alleine öffnen und schließen, kommen wir in eine Art Labor. Ich kann nichts sehen, weil Natasha direkt vor mir steht. Abfällig sagt sie: „Kannst Du mal einen Blick auf den Streuner werfen?“ Sie deutet mit dem Kopf in meine Richtung. An ihr vorbei schaut mich skeptisch ein Mann mit krausem Haar und einem Dreitagebart an. Seine Augen sind dunkel und er lächelt erst freundlich. Er versucht, Haltung zu bewahren, als er mich in meinem Schlafanzug sieht. Ich lächel und murmel: „Entschuldigung, ich wusste nicht, dass hier ein Dresscode herrscht.“ Nun lacht er laut auf und klopft neben Sich auf eine Liege. „Dann mal hierhin setzen und keine Angst, die sind geheizt. Ich bin Bruce“ Er wirkt weitaus freundlicher als Tony und vor allem Natascha. Diese hat natürlich einen Kommentar dazu: „Wusste gar nicht, dass Du ein Herz für Streuner hast.“ Sein Blick ist schwer zu deuten. „Solltest Du mich brauchen, ich bin bei Tony und helfe ihm bei Veronica.“ Dieser Name lässt ihn zusammen zucken. Kaum ist Natascha aus dem Raum kommt durch eine andere Türe zwei Männer, die einen dritten Mann stützen. „Ich kann alleine laufen!“, protestiert dieser. Bruce schiebt mich in den Hintergrund zu einem Stuhl, auf dem ich Platz nehme, damit ich nicht störe. Als erstes fällt mir der Mann in einem blau-rot-weißem Anzug auf. Ich schaue auf meinen Schlafanzug, dann auf den Anzug dieser Person. Uff, noch jemand, der das Memo zum Dresscode nicht bekommen hat, denke ich und muss kichern. Es war leise, aber nicht leise genug. Die andere helfende Person mustert mich, grinst und will wissen: „Halloween oder für Valentinstag? Was beides ziemlich spät oder früh wäre, je nach dem.“ Plötzlich ist es mucksmäuschenstill im Raum und alle Augen sind auf mich gerichtet. Jetzt erst nehme ich wahr, dass die dritte Person, die auf der Liege sitzt, die vorher mir gehörte, einen Pfeil quer in seiner linken Wade hat. Von der Wade aufwärts muster ich diesen Mann. In seinem Gesicht angekommen, bemerke ich, dass er mich anschaut. Nein, schauen ist das falsche Wort, dieser Mann starrt. Und dieser Blick, eine Mischung aus amüsiert grinsen und mit dem Blick töten. Bevor Bruce fertig ist mit räuspern, erhebe ich meine Hand und winke den dreien zu. „Hi, mein Name ist Kaddy und ich weiß nicht, wie ich hierher gekommen bin. Tat das doll weh?“ Ich zeige auf den Pfeil. „Also MIR nicht,“ beantwortet mir der Mann mit dem Köcher auf dem Rücken lachend meine Frage. Diese Antwort bringt ihm den bösen Blick vom Mann mit dem Pfeil im Bein ein. Bruce ergreift das Wort und zeigt abwechselnd auf die Personen: „Clint, Bucky und Steve. Was habt ihr angestellt? Das sollte doch nur eine einfache Beobachtungsmission sein, sagte Tony mir.“ Stellte er sie mir vor oder gab er ihnen eine Standpauke? Ich war unschlüssig, aber in seiner Stimme klang ein wenig Besorgnis mit. Bucky ergriff den Pfeil und zog ihn einfach raus, als wäre es ein Grashalm in einer Decke. „Alles erledigt, das blutet noch etwas und bald ist es wieder gut. Kaddy sagst Du, war Dein Name?“ Wieder sind alle Blicke auf mich gerichtet, auch Bruce schaut mich nun an und erklärt: „Jarvis hat sie gegen sieben Uhr bemerkt. Wie sie dahin gekommen ist wissen wir nicht.“ Ich schaute Bucky giftig an. „Mein Name war nicht, mein Name ist immer noch Kaddy. Ich bin in den letzten Minuten nicht gestorben, auch wenn das Deinem Blick nach zu urteilen lieber wäre, Bucket.“ Clint lachte laut auf. Steve und Bruce schauten sich unsicher an. Es war letztendlich Steve, der sich zwischen unsere Blicke in meine Richtung stellte. „Kaddy also? Hi, ich bin Steve Rogers.“ Er hielt mir die Hand hin und ich ergriff sie, schüttelte sie. Hatte dieser Mann einen Händedruck! „Wir bekommen schon raus, wo Du herkommst und vor allem wie Du hergekommen bist.“ Bruce wendet sich den Männern zu. „Ich möchte diese junge Frau jetzt erst einmal untersuchen und dazu raus jetzt!“ Clint nickt und sagt zu Steve: „Komm Steve, schnapp Dir Bucket, wir gehen angeln.“ Die drei verlassen das Zimmer, Clint lacht noch immer, Steve muss schmunzeln und Bucky brummelt vor sich hin.


Endlich Ruhe und auch Bruce schien es so zu gehen. Er atmete tief durch und maß bei mir die Vitalwerte, testete meine Reflexe und schaute ob meine Pupillen in Ordnung waren. „Jarvis? Hast Du etwas ungewöhnliches bei Frau Chaos?“ Wieder war diese Stimme aus dem Nichts da. „Nein, Dr. Banner, alle Vitalfunktionen sind normal, keinerlei Anomalien beim Scan entdeckt.“ Ich schaute mich suchend um. „Was ist ein Jarvis und wer redet da?“ „Entschuldigen Sie Misses Chaos, ich bin Jarvis, ich bin eine KI, ich kümmere mich hier um alles, was mit Technologie zu tun hat.“, erklärte die Stimme mir. Jetzt dämmerte es mir. „Ach, ein Echo dot?!“ Bruce und Jarvis antworteten gleich´zeitig: „Ein was?“ Ich wollte beginnen zu erklären, dann fiel mir auf, dass ich mich an einen Echo Dot erinnern konnte. Aber, als ich es erklären wollte, was es ist, war da wieder nichts. „Woran erinnern Sie sich als letztes, Misses Chaos?“ wollte Jarvis wissen. Ja an was erinnere ich mich eigentlich? „Ich muss wohl ins Bett gegangen sein, sonst würde ich ja wohl nicht im Schlafanzug sein, aber wirklich daran erinnern kann ich mich nicht. Ich bin froh, dass ich meinen Namen weiß und da bin ich auch nicht sicher. Er fühlt sich aber richtig an.“ „Dr. Banner, ich habe die Datenbanken der Behörden aller Bundesstaaten durchforstet, es gibt dort keine Kaddy Chaos.“ Ich räusperte mich. „Dr. Banner, ist sich Mister Jarvis bewusst, dass ich ihn hören kann?“ „Bitte nur Bruce und ja, ist er.“ Bruce musste grinsen. „Und bitte nur Jarvis Maam.“ Ich grinste mit und schaute an die Decke. „Jawoh, Sir.“ „Nur Jarvis, Maam.“ „Ich merke mir das, Sir.“ So ging das noch ein paar Mal hin und her, als Tony ins Labor kam. „Und was haben wir hier?“ Bruce schaute Tony kurz verwirrt an, dann begann er: „Blutdruck ist etwas hoch, die Zuckerwerte machen mir ein wenig Sorgen. Aber ansonsten scheint bei Kaddy alles in Ordnung zu sein.“ Auch Jarvis harkte sich wieder ein: „Keine Anomalie, keinerlei unbekannte Schwingungen. Ich würde sagen bei Misses Chaos haben wir es mit einem ganz normalem Menschen zu tun.“ „Was nicht erklärt, wo ich hier bin und wie ich hier hin gekommen bin,“ ergänzte ich. Tony sah mich prüfend an und nickte dann: „Ich lasse Dir von Jarvis ein Zimmer hier einrichten. Du kannst erst einmal hier bleiben. Kleidung wird Dir Jarvis ebenso besorgen, aber das dauert etwas. Magst Du etwas essen?“, fragte er. Wie zur Bestätigung knurrte mein Magen laut und wir lachten. „Du bist natürlich auch gern gesehen Bruce. Schaust aus, als hätte Dein Gesicht Tage keinen Rasierer und dein Körper schon länger nichts nahrhaftes mehr gesehen. Jarvis? Richte bitte für Kaddy und Bruce ein Zimmer ein; möglich nebeneinander. Wenn etwas passieren sollte, kannst Du schnell anwesend sein Bruce. Ach und Kaddy, kein Plüsch in den Zimmern an Dekoration!“ Mit diesen Worten verließ Tony das Labor. Ich schaute zu Bruce und machte ein zerknirschtes Gesicht. „Sorry, dass Du meinetwegen Babysitter spielen musst.“ Er winkte ab. „Tony hat Recht, ich war schon viel zu lange hier unten. Lass uns zu den anderen frühstücken gehen.“ Ich sprang von meinem Stuhl auf, da sich Bruce in Richtung Türe bewegte. „Lass mich hier bloß nicht alleine, ich verlauf mich hier. Ganz schlechte Orientierung.“ „Sie können sich jederzeit an mich wenden, Maam.“ Ich bedankte mich und zwinkerte Bruce zu. „Sprach die Stimme aus dem Off.“ Er lachte.

dasKaddy
Glitzerkönigin im Ministerium für Einhornhaltung lebendig - kreativ - unangepasst [she/her] Level 44 🌈


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